Der Zugang zum Zülpicher Viertel an Karneval

Köln: Warum wir Karneval im Käfig feiern

Es ist nur ein paar Jahre her, dass der Kölner Strassenkarneval ohne Bauzäune und einem Großaufgebot Security-Mitarbeiter:innen auskam. Was ist passiert, dass aus dem 11.11. ein Sicherheitsproblem wurde? 

Februar 2020: Im ersten Corona-Jahr

Ich feiere mit Freunden Weiberfastnacht in Nippes. Vor drei Wochen meldeten die Medie den ersten offiziellen Corona-Fall in Deutschland. Genauer gesagt in Bayern, da wo jetzt Fasching ist – also noch weit, weit weg. Ich verdränge meine Skepsis und lasse mich auf feste Umarmungen und herzliche Nasenküsse ein.

Am Veilchendienstag verstirbt Marie-Luise Nikuta, die Grand Dame des Kölschen Karneval, die Königin des Mottolieds. Als hätte sie geahnt, dass sie die folgenden Jahre Fasteleer lieber nicht miterleben möchte. In der Zeit nach Aschermittwoch schnellt die Corona-Inzidenz exponentiell in die Höhe. Am 16. März 2020, drei Wochen nach Karneval, geht Deutschland in den Lockdown.

November 2020

Die Corona-Pandemie fegt immer noch in Wellen über den Erdkreis. Der Kölner Straßen- und Sitzungskarneval ist abgesagt. Niemand unter den Verantwortlichen möchte ein zweites Gangelt oder Ischgl erleben.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker mahnt von hell leuchtenden Citylight-Plakaten: „Trink do kene met“. Die sonst schon ab 10 Uhr abgeriegelte Zülpicher Straße zeigt sich von ihrer trostlosen Seite. Alle Lokale haben geschlossen. Die Roten Funken schicken einen Zeppelin in den Kölner Himmel. „Bliev zohuss“ steht darauf. Leise brummend kreist er über der menschenleer wirkenden Stadt. Nur ein paar Coronagegner halten tapfer ihre Pappschilder in den Himmel.

Meine beste Freundin ist eine echte Jecke. Mein Herz wird schwer, wenn ich an ihren Frust denke. Ich beschließe, sie mit Mettbrötchen, Berlinern und Kölsch auf der Arbeit zu überraschen. Blöderweise habe ich vergessen, dass ich heute kein frisches Kölsch bekomme. Im gesamten Stadtgebiet gilt ein striktes Alkoholverkaufsverbot. In den Supermärkten sind die Spirituosenabteilungen mit Folien verkleidet. Die Kassiererin wirft mir einen tadelnden Blick zu, dann flitscht sie gekonnt die Schachtel Mon Chéri nebst meiner Lieblingsmousse-au-Chocolat (mit einem Spritzer Weinbrand) vom Kassenband. Puuuh… okay, dann eben Gaffel alkoholfrei.

Meine beste Freundin freut sich trotzdem über die Überraschung. Wir teilen uns eine Flasche der gefakten Brauzubereitung, würgen den Inhalt mit zugekniffener Nase hinunter und setzen darauf, dass Mett & Zwiebeln den pappigen Geschmack übertünchen. Die andere Flasche verstecken wir im Rollcontainer ihrer Arbeitskollegin.

Weiberfastnacht 2021

„Kölle Alaaf, mir all blieve brav.“ Immer noch kein Straßenkarneval und keine Sitzungen. Die Landesregierung erlaubt immerhin Zusammenkünfte in Privaträumen: maximal 1 Haushalt + 1 weitere Person.
Ich besuche wieder meine beste Freundin. Diesmal bei ihr zuhause und diesmal sind wir besser vorbereitet: Sie hat ein Fässchen Kölsch gekauft, wir basteln uns eine Nubbeline, essen wieder Mett und Berliner. Am frühen Nachmittag gehen wir vor die Tür. Im kleinen Büdchen op d’r Eck wechseln die zwei Brüder extra für uns den Radiosender von Chartpop auf Kölsche Tön. Zu viert starten wir eine Spontanparty. Ich bekomme Lust, eine zu Zigarette zu rauchen und trete vor dir Tür. Rund ein Dutzend Leute warten bestimmt schon 15 Minuten darauf, dass sie auch mal eintreten dürfen. Sorry…. 😂 Gut gelaunt verabschieden wir uns Richtung Einkaufszentrum. Dort treffen wir auf eine Fee im Kindergartenalter. Mit glänzenden Augen bewundert sie unsere Kostüme und ist dankbar, dass sie nicht die einzige Verkleidete im ganzen Hürth-Park ist. Wir kehren heim und drehen die Musik voll auf. Die Welt darf nicht vergessen, dass heute Weiberfastnacht ist.

Am Rosenmontag 2021 gibt es den schönsten Rosenmontagszug, den die Welt je sah: Das Hänneschen Theater spielt den RoMoZug nach, mit echten Kommentatoren. Alle sin am kriesche

Sommer 2021

Lockerungen. Die Regelungen darüber, wann sich wo wie viele Menschen aus einem oder mehreren Haushalten treffen dürfen, werden immer konfuser. Kaum noch jemand hält sich wirklich daran. Mit unterschiedlich ausgeprägter Strenge versuchen Bund, Länder und Kommunen, irgendwas von diesen Regeln zu retten bzw. durchzusetzen. Auf allen Ebenen knirscht es zwischen Bürgern und Behörden.
Kinder und Jugendliche wurden X Monate am Bildschirm beschult. Fernunterricht, keine Sportvereine, keine Parties…
Diese Energien entladen sich in den lauen Sommerabenden am Brüsseler Platz, am Aachener Weiher, am Mäuerchen. Überwiegend friedlich, aber häufig sehr, sehr voll. Ein paar Mal kommt es zu heftigen Ausschreitungen. Michael hat eine Idee..

November 2021

D’r Prinz hätt Corona. Trotzdem darf endlich wieder Karneval gefeiert werden – aber nur mit 2G-Regel. Einlasskontrollen an den Hotspots. Die Geburt des Käfigzaubers an der Uniwiese.

Henriette Reker verteidigt den Karnevalsauftakt. „Was wäre denn, wenn wir gesagt hätten: Wir machen das wie im vorigen Jahr, es wird kein Karneval gefeiert?“, fragte die parteilose Politikerin. „Ich bin der festen Überzeugung, das wäre uns in diesem Jahr nicht gelungen.“ Die Menschen hätten sich das nicht gefallen lassen, sagte Reker. Denn mittlerweile seien die meisten geimpft. Der Zugang zur Zülpicher Straße muss nun besonders kontrolliert werden.

Nach diesem Karnevalsauftakt expolodieren die Inzidenzen. Oder lag es doch am Derby FC gegen Borussia MG im ausverkauften Rheinenergie-Stadion? Köln liegt bei über 400, Lauterbach verkündet, die Intensivstationen arbeiten am Limit.
Schlecht gealtert: Hendrik Wüst „Solche Bilder wie in Köln wird es nicht wieder geben“ 😂

Februar 2022

Corona, Karneval und die Zülpicher Straße boten genug Stoff für die gesamten Winterferien. Die Stadtspitze glänzt mit der Errichtung immer neuer Zonen. Waffenverbotszone und Brauchtumszone sind gut etabliert. Angesichts der bevorstehenden Weiberfastnacht soll eine neue Zone eingerichtet werden: Die Alkoholverkaufsverbotszone. Blome und Reker erinnern sich an die Ruhe im letzten Jahr. Wat wor dat schön.

Weiberfastnacht: Die Nummer mit dem Käfig vom letzten 11.11.21 ist viral gegangen. Infolgedessen strömen jetzt noch mehr junge Menschen ins Kwartier Latäng. Jede:r möchte wenigstens einmal den neuen Hindernis-Parcours ausprobieren. Denn Reker, Blome und Polizei haben ein paar Verbesserungen eingebaut.

Nachspiel: Als Konsequenz der Feierlichkeiten beschließt dich Bezirksvertretung Innenstadt die Errichtung des Veedelsbeirats Kwartier Latäng, mitgetragen von Die PARTEI (Kader, Innenstadt).
Die Sache mit dem Alkoholverkaufsverbot schwelt vor sich hin. Die rechtliche Prüfung ergibt, dass es zwar möglich wäre, so eine Maßnahme anzuordnen, der Umsetzung aber an mangelnden Kontrollen scheitern würde.

April 2022

Die Verwaltung legt ein Sicherheitskonzept / Absperrkonzept für das Kwartier Latäng vor. Vorausgegangen war im Februar eine Debatte über Karnevals-Corona-Verstöße am 11.11.2021

November 2022

Mit meinem besten Kollegen besuche ich die Zülpicher Straße. Es herrscht heiteres Gedrängel, die Stimmung ist durchweg gut und fröhlich. Es macht Spaß, die Jungs und Mädels beim Überklettern der Zäune zu beobachten. Hier und da verschwindet ein Ordner hinterm blickdichten Bauzaun und kommt mit einer kleinen Gruppe junger Leute zurück. Glücklich hopsen sie durch den Nebeneingang auf die Zülpicherstraße. Dann geht ein Raunen durch die Menge. Wir stehen inzwischen in in fünfter Reihe vor dem letzten Absperrgitter. Von hinten baut sich Druck auf. Ein Trupp Polizisten bohrt sich, präzise wie ein Schweizer Tunnelbohrer, durch die Menge. Links und rechts fallen Menschen über die Brüstung, ….

Spektakulär die Kapitulation an den Sicherheitsschleusen. Schlümpfe, Elfen, Pharaonen vs. Sicherheitskonzept (1:0)

Wir schlendern noch etwas über den Hügel zum Aachener Weiher, drehen eine Runde auf im Belgischen. Die Linie 1 klingelt sich im Schneckentempo durch die Meute vor der Tausendbar. Was wir in dem Moment nicht ahnen: Es wird die letzte Bahn bis in die späten Abendstunden sein, denn das Belgische Viertel füllt sich mich jenen, denen das Rumstehen auf der Uniwiese zu langweilig ist. Der südwestliche KVB-Verkehr bricht zusammen, die Knotenpunkte Barbarossaplatz, Zülpicher Platz und die Aachener Str. von Moltkestr. bis Rudolfplatz sind voll.
Ich bin wieder zuhause. Der Stadtanzeiger postet ein Interview mit Henriette Reker auf der Zülpicherstr. https://youtu.be/hthqOx4jLSg?feature=shared&t=105
Ich lasse den Tag Revue passieren. Ich schäme mich für meine Stadt. Aber noch viel schlimmer: Ich schäme mich für meine Oberbürgermeisterin. Wie sie da stand, an der Ecke von Oma Kleinmann „Wer immer eine Idee hat, wie man diese Menschenströme so steuern kann, dass es völlig unproblematisch läuft, der ist sehr herzlich willommen.“
Inzwischen wurde unsere Aufnahmen von der Kapitulation hunderte Male geklickt und geteilt. Auf Einladung von Bezirksbürgermeister Hupke darf ich am Runden Tisch Kwartier Latäng Platz nehmen.
In der Anfangszeit finden die Treffen 14-tägig statt. Das Bedürfnis der Teilnehmenden, ihre Erlebnisse im Gruppengespräch zu verarbeiten, ist groß. Bezirksbürgermeister Hupke, ein waschechter alt-68er, leitet die Runde einfühlsam und sehr geordnet. Jeder darf mal Dampf ablassen. Immer wieder bittet er die Diskutanten um großzügige Toleranz bezüglich der Wortwahl, die manch einem Verzweifelten im Sturme der Emotionen entgleitet. Hupke versteht es, den Kern der Botschaften sachlich zusammenzufassen und konstruktive Handlungsoptionen dazulegen. Jene, denen er nicht er sofort helfen kann, ermutigt er glaubwürdig, weiter durchzuhalten. Bessere Zeiten werden kommen, „wir brauchen einen langen Atem.“

Als PARTEI-Mitglied, als Mitarbeiterin der Die FRAKTION, Initiatorin des Runden Tisches für Trinkerfragen auf der Zülpicherstr., Mitläuferin beim (S)Aufenthaltszonen-Marathon, Erfinderin des Flutlichtkalenders, geboren aus dem Schoße der Zülp-Tour (est.1991) bekenne ich mich klar zu Trinkerseite. Die Teilnahme an den Gruppengesprächen des Runden Tisches gaben mir wichtige Einblicke verschiedener Stakeholder. Ich verstand,

Tank auf einer anderen Zülp

Februar 2023

Am Valentinstag bekomme ich ein besonderes Geschenk. In der Kölnmesse werden die Persiflagewagen für den Rosenmontagszug präsentiert. Offenbar hat das Kölner Festkomitee unser Strategiepapier ‚ZÜLP‘ in die Hände bekommen. Auf einem der Wagen ist Henriette Reker dargestellt, wie sie – mit einer Armlänge Abstand – die Zülpicher Straße an Düsseldorf verschenkt. Welch pointierte und kreative Kombination zweier Module aus unserem Konzept, nämlich Punkt 1. Mir schenke üch die Zülpischer Stroß – Rückgabe des Veedels!“ und Punkt 4d. „Exportier das Kwartier!“. Ich bin begeistert.

Es ist Weiberfastnacht. Auf zur Zülpicher Straße. Diesmal begleitet mich mein bester Nachbar. Er bleibt immer wieder mit offenem Mund stehen, ungläubig nach Worten ringend. Ich lache und reiche ihm ein frisches Kölsch. Nach der dritten Flasche kommt er langsam auf die Situation klar.

… Kurze Beschreibung Highlights und Veränderungen: … Mehr Platten, Käfige, Drängelgitter, Glasverbot und Container (hahaha),
Während wir im Gedränge darauf warten, dass irgendwas passiert, kommen wir mit den umstehenden jungen, fröhlichen Menschen ins Gespräch. Aus Albernheit testen wir ein paar Ideen aus dem Strategiepapier ZÜLP. Der Baustein „Fässchenpflicht statt Glasverbot“ findet großen Anklang. Und auch vom „Thekenleitsystem“ sind die Feiernden begeistert. Wir verteilen ein paar Sticker. Ich freue mich, dass diese Stakeholder schon mal safe an Bord sind. Akzeptanz in der Bevölkerung ist das A und O im politischen Geschäft.
… Kurzbeschreibung Resümee Presse/Öffentlichkeit
Am 27.02.2023 im Hauptausschuss, kommt die nächste Überraschung. Die Verwaltung veröffentlicht ihre Karnevalsbilanz 2023.
Darin: Runder Tisch Karneval richtet 3 Arbeitsgruppen ein: „Zielgruppenkommunikation“, „Weiterentwicklung Angebote im Kwartier Latäng“ und „Dezentrale Veranstaltungsformate“. Boom.
Ich glaube, mein Konzept ist angekommen Schade, dass uns niemand zu diesen Arbeitsgruppen einlädt. Egal, ich halte dem Runden Tisch Kwartier Latäng die Treue und lasse die drei Arbeitsgruppen mal machen.

Juli 2023

Die Arbeitsgruppen legen erste Ergebnisse vor. Feierlichkeiten dezentralisiert werden (vgl. Pkt. 4a. ‚Kneipen-Cluster‘ im Konzeptpapier) und adressatengerechte Kommunikations-Tools und einer bessere Ansprache der Zielgruppe (vgl. Pkt. 6 ‚Kleiner Knigge‘)
„Oberbürgermeisterin Henriette Reker kündigte an, einzelne Ideen aufgreifen zu wollen, bei denen die Stadt betroffen ist, und eine Vorlage für die Politik zu erarbeiten.“

Oktober 2023

Mitte Oktober. Das gibt wieder Murks mit dem Sicherheitskonzept. Alle wissen es, keiner tut was. Nur Michael kommt seinen Ratsherrenpflichten nach. Er hat geschworen, Schaden von der Stadt abzuwenden. Das Sicherheitskonzept braucht einen weitaus radikaleren Ansatz. Karneval ist eine Gefahr für die Stadt. Er beantragt, am 11.11. die ganze Stadt (außer Hanhnwald) abzusperren. Dem Antrag liegt eine minutiös aufgearbeitete Neuauflage des Sicherheitskonzepts bei.

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Einige Tage später. Der Runde Tisch Karneval tagt im Spanischen Bau. Vor der Sitzung demonstriert die IG Rathenauplatz (also die Anwohner des Kwartier Latäng) auf dem Theo-Burauen-Platz.. Dies nutzen wir als flankierende PR-Maßnahme für den Antrag „Stadt absperren“.
Die Anwohner haben tolle Schilder gemalt. Ich lerne, was ein Kotau ist. Funk und Fernsehen ist da. Wir hören die Wortbeiträge, quatschen die Leute von der Presse an.
Auf dem Weg ins Rathaus steppt Joisten von der SPD vorbei. Er nutzt die Gelegenheit, die SPD zum Karnevalsthema in Position zu bringen. Bisher waren die ja eher zurückhaltend in Sachen Karneval. Er sagt irgendwas ins Mikrofon. Man nehme die Sache am Runden Tisch sehr ernst, bla, bla.
Später melden auch wir uns zu Wort. Ich stelle kurz unseren Antrag vor und erkläre den Menschen, dass die FRAKTION fix- und fertige Lösungen vorlegt, während die ‚da oben‘ noch an Runden Tischen und beraten. Ich mahne, sich nicht mit leeren Worthülsen von vorbeisteppenden Lokalpolitikern blenden zu lassen. Es gibt Demonstranten, die applaudieren und zustimmend johlen.
Am selben Abend demonstriert Die PARTEI auf dem Brüsseler Platz gegen Krach & Lärm.

26.10.2023 Ratssitzung. Michael hält Rede. Dann passiert etwas Erstaunliches: Richter (Grüne), Petelkau (CDU), Joisten (SPD) und Tokyürek (LINKE) reagieren mit längeren Wortbeiträgen auf unseren Antrag. Zum ersten Mal hören wir brühwarm etwas von diesem Runden Tisch Karneval. Sonst ja nur aus der Presse oder über Hörensagen. Eingeladen werden wir dorthin natürlich nicht

Nicht schlecht. Das kommt sofort auf die Wall of Shame. Aber das, worüber sich Güldane aufregt, ist hausgemacht.

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Nur dank Michaels Antrages erfahren wir, dass die Stimmberechtigten des AVR ein Fachgespräch mit der Verwaltung zu „dezentralen Feierorten“ planen. Schön, wenn Güldane weiß, dass ‚die Großen‘ im Rat Bescheid wissen, was am Runden Tisch Karneval läuft. Würden ‚die Großen‘ auch mal ‚die Kleinen‘ informieren oder einbeziehen, müssten Die FRAKTION nicht solche Anträge stellen (würden wir natürlich trotzdem).
Michaels Antrag und Rede haben dafür gesorgt, dass das Thema Karneval im Kwartier Latäng doch wieder im Rat aufschlägt. Die großen Fraktionen haben sich öffentlich positioniert und dazu bekannt, *irgendwas* unternehmen zu wollen. (ein schöner Kontrast zu den Bildern, die wir NACH dem 11.11.23 sehen werden)

November 2023

Koelnistkool, ein beliebtes Instagram-Profil mit über 100K Followern starte die Respekt-Kampagne #freibier #gästeliste #qrcode. Das ist also ein Resultat der Arbeitsgruppe „Zielgruppenkommunikation“. Die Kritik an der Kampagne fällt vergleichsweise milde aus, einige finden sie sogar gut. Die Seite verlinkt u.a. auf eine städtische Infoseite zum Karneval und von hier aus gelangt man schnell zu einer Liste mit Veranstaltungen am 11.11. Was fehlt, ist eine geordnete Wegführung zu diesen Kneipen.

Drei Tage vor Sessionseröffnung beschließen wir, das Thekenleitsystem zu beantragen. Das wird zwar bis zum 11.11. nicht umsetzbar sein, denn der zuständige Digitalisierungsausschuss erst am 20.11., aber mit etwas Glück können wir es zu Weiberfastnacht 2024 in Betrieb nehmen. Pünktlich, kurz Abgabefrist, schicken wir den Antrag ins Ratsinformationssystem (wie immer, danke an den Sitzungsdienst) [Link zum Antrag und PM].

Spät am Abend, lange nach Dienstschluss, erhalten wir eine E-Mail aus der Stadtdirektion. Man bietet uns Zugangsbändchen für die Zülpicher Straße an. Ach, schau an… setzt sich die Verwaltung etwa über den einstimmigen Ratsbeschluss hinweg, keine kommunalen Beobachter zu Karneval [Link!] zuzulassen? Wir beschließen, vorerst keine Beschwerde einzulegen und bunkern ein paar Bändchen im Bürosafe.

Samstag, Elfter-im-Elften, 9 Uhr 20. Der Express meldet, die Zülpicherstraße sei wegen Überfüllung schon geschlossen – noch früher, als in den vergangenen Jahren. Da ich das Spektakel inzwischen kenne, mache ich mir erst mal einen frischen Kaffee und lese weiter Zeitung. Am frühen Nachmittag zieht es mich dann doch vor die Tür. Das Wetter ist wunderbar, sonnig und mild. Ich überlege, ob ich mir noch schnell ein Backstage-Bändchen aus dem Büro holen soll. Aber die Zülpicher ist inzwischen wieder geöffnet, der Mob hat sich großflächig im Grüngürtel verteilt. Ich schwinge mich auf mein bestes Fahrrad (das mit den unkaputtbaren Fahrradmänteln) und steuere den Aachener Weiher an.

Schon auf der Dürenerstraße stelle ich mit großem Vergnügen fest, dass der Kölner ex-CDU-Chef Bernd Petelkau hart an seiner Forderung nach einem neuen Auskotzviertel [Link] arbeitet. Die Dürenerstraße ist ab Karl-Schwering-Platz von der Zülpicherstr. kaum noch zu unterscheiden. Ich fahre weiter zum Weiher. Diesesmal bleibt auch mir der Mund offen stehen. Sooooo viele Leute! Es sind geschätzt 3 x mehr als beim letzten Mal. … Beschreibung …

Am nächsten Morgen beschließe ich, mir die Überreste anzuschauen. Ich fahre dieselbe Strecke wie gestern ab. …. Beschreibung/Fotos …
Zurück zuhause schlage ich den Rechner auf und lese in Lokalzeitungen und Social Media.
Hier ist ein starker Kommentar mit sehr vielen Bildern:
Politisch – Die Saat keimt. Der öffentliche Druck auf Reker und Blome wächst. Die Forderungen nach Verlagerung werden lauter, alternative Bühnen, Müll und Scherben, Asphalt.
Kein Sterbenswort über den Grüngürtel – im Gegenteil! https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=961990&type=do
„Die Nutzung der angrenzenden Uni-Wiese als erforderliche Ausweichfläche hat sich daher erneut bewährt. Durch entsprechende Abdeckungen und Nachreinigungen wurde der Schutz der Wiese bestmöglich gewährleistet.“

Dezember 2023

Stadt Köln spricht mit möglichen kommerziellen Veranstaltern über Entlastungspartys

Dringlichkeitsvorlage 230000 alte dumme kölner karnevalsgesellschaft oder so