09 Jan. 24 Köln: Warum wir Karneval im Käfig feiern
Es ist nur ein paar Jahre her, dass der Kölner Strassenkarneval ohne Bauzäune und einem Großaufgebot Security-Mitarbeiter:innen auskam. Was ist passiert, dass aus dem 11.11. ein Sicherheitsproblem wurde?
Februar 2020: Im ersten Corona-Jahr
Am Veilchendienstag verstirbt Marie-Luise Nikuta, die Grand Dame des Kölschen Karneval, die Königin des Mottolieds. Als hätte sie geahnt, dass sie die folgenden Jahre Fasteleer lieber nicht miterleben möchte. In der Zeit nach Aschermittwoch schnellt die Corona-Inzidenz exponentiell in die Höhe. Am 16. März 2020, drei Wochen nach Karneval, geht Deutschland in den Lockdown.
November 2020
Die Corona-Pandemie fegt immer noch in Wellen über den Erdkreis. Der Kölner Straßen- und Sitzungskarneval ist abgesagt. Niemand unter den Verantwortlichen möchte ein zweites Gangelt oder Ischgl erleben.
Oberbürgermeisterin Henriette Reker mahnt von hell leuchtenden Citylight-Plakaten: „Trink do kene met“. Die sonst schon ab 10 Uhr abgeriegelte Zülpicher Straße zeigt sich von ihrer trostlosen Seite. Alle Lokale haben geschlossen. Die Roten Funken schicken einen Zeppelin in den Kölner Himmel. „Bliev zohuss“ steht darauf. Leise brummend kreist er über der menschenleer wirkenden Stadt. Nur ein paar Coronagegner halten tapfer ihre Pappschilder in den Himmel.
Meine beste Freundin freut sich trotzdem über die Überraschung. Wir teilen uns eine Flasche der gefakten Brauzubereitung, würgen den Inhalt mit zugekniffener Nase hinunter und setzen darauf, dass Mett & Zwiebeln den pappigen Geschmack übertünchen. Die andere Flasche verstecken wir im Rollcontainer ihrer Arbeitskollegin.
Weiberfastnacht 2021
Am Rosenmontag 2021 gibt es den schönsten Rosenmontagszug, den die Welt je sah: Das Hänneschen Theater spielt den RoMoZug nach, mit echten Kommentatoren. Alle sin am kriesche
Sommer 2021
- Jun 21: Antrag (S)Aufenthaltszonen https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=826238&type=do
- Sep 21: Die Bundestagswahl beschert uns einen neuen Gesundheitsminister. Wird jetzt alles besser? Leider nein.
November 2021
Henriette Reker verteidigt den Karnevalsauftakt. „Was wäre denn, wenn wir gesagt hätten: Wir machen das wie im vorigen Jahr, es wird kein Karneval gefeiert?“, fragte die parteilose Politikerin. „Ich bin der festen Überzeugung, das wäre uns in diesem Jahr nicht gelungen.“ Die Menschen hätten sich das nicht gefallen lassen, sagte Reker. Denn mittlerweile seien die meisten geimpft. Der Zugang zur Zülpicher Straße muss nun besonders kontrolliert werden.
Februar 2022
Corona, Karneval und die Zülpicher Straße boten genug Stoff für die gesamten Winterferien. Die Stadtspitze glänzt mit der Errichtung immer neuer Zonen. Waffenverbotszone und Brauchtumszone sind gut etabliert. Angesichts der bevorstehenden Weiberfastnacht soll eine neue Zone eingerichtet werden: Die Alkoholverkaufsverbotszone. Blome und Reker erinnern sich an die Ruhe im letzten Jahr. Wat wor dat schön.
Weiberfastnacht: Die Nummer mit dem Käfig vom letzten 11.11.21 ist viral gegangen. Infolgedessen strömen jetzt noch mehr junge Menschen ins Kwartier Latäng. Jede:r möchte wenigstens einmal den neuen Hindernis-Parcours ausprobieren. Denn Reker, Blome und Polizei haben ein paar Verbesserungen eingebaut.
April 2022
November 2022
Spektakulär die Kapitulation an den Sicherheitsschleusen. Schlümpfe, Elfen, Pharaonen vs. Sicherheitskonzept (1:0)
Kapitulation an den Sicherheitsschleusen. Schlümpfe, Elfen, Pharaonen vs. Sicherheitskonzept (1:0) #Koeln #Sicherheit #ElfterElfter #ZonenBlome pic.twitter.com/glCubHsXGP
— Die FRAKTION Köln (@DieFRAKTIONKoln) November 11, 2022
Als PARTEI-Mitglied, als Mitarbeiterin der Die FRAKTION, Initiatorin des Runden Tisches für Trinkerfragen auf der Zülpicherstr., Mitläuferin beim (S)Aufenthaltszonen-Marathon, Erfinderin des Flutlichtkalenders, geboren aus dem Schoße der Zülp-Tour (est.1991) bekenne ich mich klar zu Trinkerseite. Die Teilnahme an den Gruppengesprächen des Runden Tisches gaben mir wichtige Einblicke verschiedener Stakeholder. Ich verstand,
Tank auf einer anderen Zülp
Februar 2023
Es ist Weiberfastnacht. Auf zur Zülpicher Straße. Diesmal begleitet mich mein bester Nachbar. Er bleibt immer wieder mit offenem Mund stehen, ungläubig nach Worten ringend. Ich lache und reiche ihm ein frisches Kölsch. Nach der dritten Flasche kommt er langsam auf die Situation klar.
Juli 2023
Oktober 2023
Mitte Oktober. Das gibt wieder Murks mit dem Sicherheitskonzept. Alle wissen es, keiner tut was. Nur Michael kommt seinen Ratsherrenpflichten nach. Er hat geschworen, Schaden von der Stadt abzuwenden. Das Sicherheitskonzept braucht einen weitaus radikaleren Ansatz. Karneval ist eine Gefahr für die Stadt. Er beantragt, am 11.11. die ganze Stadt (außer Hanhnwald) abzusperren. Dem Antrag liegt eine minutiös aufgearbeitete Neuauflage des Sicherheitskonzepts bei.
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26.10.2023 Ratssitzung. Michael hält Rede. Dann passiert etwas Erstaunliches: Richter (Grüne), Petelkau (CDU), Joisten (SPD) und Tokyürek (LINKE) reagieren mit längeren Wortbeiträgen auf unseren Antrag. Zum ersten Mal hören wir brühwarm etwas von diesem Runden Tisch Karneval. Sonst ja nur aus der Presse oder über Hörensagen. Eingeladen werden wir dorthin natürlich nicht
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November 2023
Drei Tage vor Sessionseröffnung beschließen wir, das Thekenleitsystem zu beantragen. Das wird zwar bis zum 11.11. nicht umsetzbar sein, denn der zuständige Digitalisierungsausschuss erst am 20.11., aber mit etwas Glück können wir es zu Weiberfastnacht 2024 in Betrieb nehmen. Pünktlich, kurz Abgabefrist, schicken wir den Antrag ins Ratsinformationssystem (wie immer, danke an den Sitzungsdienst) [Link zum Antrag und PM].
Spät am Abend, lange nach Dienstschluss, erhalten wir eine E-Mail aus der Stadtdirektion. Man bietet uns Zugangsbändchen für die Zülpicher Straße an. Ach, schau an… setzt sich die Verwaltung etwa über den einstimmigen Ratsbeschluss hinweg, keine kommunalen Beobachter zu Karneval [Link!] zuzulassen? Wir beschließen, vorerst keine Beschwerde einzulegen und bunkern ein paar Bändchen im Bürosafe.
Schon auf der Dürenerstraße stelle ich mit großem Vergnügen fest, dass der Kölner ex-CDU-Chef Bernd Petelkau hart an seiner Forderung nach einem neuen Auskotzviertel [Link] arbeitet. Die Dürenerstraße ist ab Karl-Schwering-Platz von der Zülpicherstr. kaum noch zu unterscheiden. Ich fahre weiter zum Weiher. Diesesmal bleibt auch mir der Mund offen stehen. Sooooo viele Leute! Es sind geschätzt 3 x mehr als beim letzten Mal. … Beschreibung …
„Die Nutzung der angrenzenden Uni-Wiese als erforderliche Ausweichfläche hat sich daher erneut bewährt. Durch entsprechende Abdeckungen und Nachreinigungen wurde der Schutz der Wiese bestmöglich gewährleistet.“
Dezember 2023
Dringlichkeitsvorlage 230000 alte dumme kölner karnevalsgesellschaft oder so



